Harald Lund

Harald lernten wir 1983 kennen durch unsere Gastgeber Guri und Karsten Thorvaldsen in Jessheim (N) anlässlich unserer ersten Reise in den Norden.

Harald ist ein Verwandter von Thorvaldsens und ambitionierter Instrumentenbauer. Als junger Mann  war in seiner Familie ein Spielmann zu Gast, der so schön spielte, dass Harald Lust bekam, selbst auch Geige spielen zu können. Mangels Geld baute er sich dann selbst eine Violine mit primitivsten Mitteln, die jedoch - wie er uns erzählte - kaum spielbar war. Dann besorgte er sich Bücher über den Geigenbau und fing an, genau nach Vorbildern und Beschreibungen ein zweites Instrument zu bauen, das schon ganz ordentlich klang (Harald schmunzelt). So begann seine Instrumentenbauer-Laufbahn.

Inzwischen wurde Harald Physiklehrer an der Mittelschule und konnte sich Messgeräte anschaffen, mit denen er die Schwingungen des Geigenkörpers genau ausmessen und in verschiedenen Schritten verbessern konnte.

Später wagte er sich auch an den Bau von Hardanger Fiedeln, die sehr anspruchsvoll und arbeitsaufwendig zu bauen sind, mit 4 bis 5 Resonanz-Saiten und 8 bis 9 Saitenwirbeln, mit Intarsien, Schnitzereinen und Tuschezeichnungen. Allein schon das Griffbrett, der Saitenhalter und der Saitensteg sind kleine Kunstwerke, die viel Handgeschick, Liebe zum Detail und  geduldige Ausdauer erfordern.

Harald Lund 1983

Harald Lund 1983 in seinem Garten
mit einer selbst gebauten Hardingfela

Er entwickelte seine Kunst des Instrumentenbaues so perfekt, dass er sich an den Nationalen Wettbewerben beteiligen konnte, wo er im Laufe der Jahre für seine prächtigen Geigen und Hardanger Fiedeln mehrere Goldmedallien gewann!

1983 bestellte ich bei ihm eine ganz spezielle "Hardanger Fiedel", die nach meinen Wünschen wesentlich kräftiger klingen sollte als die traditionellen norwegischen Hardingfeler. Ich wollte ja hauptsächlich die schwedischen Melodien damit spielen können, und zwar zusammen mit Schlüsselfiedeln, die ja einen viel stärkeren Klang haben.

Leider wurde Harald aber kurz darauf so krank (Hirntumor), dass er nach drei Operationen für längere Zeit nicht mehr arbeitsfähig war. Gott sei Dank, hat er sich aber mit der Zeit doch wieder so gut erholt, dass er seine vier angefangenen Hardanger Fiedeln fertig bauen konnte, auch wenn er anfänglich nur eine oder zwei Stunden am Tag daran weiterarbeiten konnte.
Da war aber ein Problem: Mehrere norwegische Spielmänner warteten schon sehnlich wie ich auf die Fertigstellung eines bestellten Instrumentes. Da hatte ich als "Ausländer" wenig Chance, eines der vier Instrumente zu erhalten.

Doch konnten wir Harald überzeugen, dass wir wirklich eine Hardanger Fiedel für unser Ensemble brauchen: Als wir nach unserem Spielmanns-Seminar in Rättvik 1992 bei Harald vorbeigingen, spielten wir ihm eine Reihe von nordischen Melodien auswendig vor, die wir in Rättvik lernten oder schon früher kannten. Dann entschloss er sich, eines der vier Instrumente nach speziellen Wünschen von mir für mich zu fertigzustellen.

Nun war es also im Sommer 1993 soweit, dass uns Harald anrief und mitteilte, dass mein Instrument fertig sei und dass ich es abholen könne. So bereiteten wir die Reise vor und Sylvia und ich fuhren die 2000 Kilometer nach Oslo und Algarheim, wo uns Harald am 7.August mit rechtem Stolz den vollen schönen Klang des neuen Instrumentes vorspielte.

Jetzt wirst Du verstehen, dass es für einen Spielmann ein besonderes Glück bedeutet, wenn er ein so herrliches, wertvolles Instrument besitzen und spielen kann!   Wir haben immer wieder einmal mit Harald Kontakt, und er schätzt ganz besonders unsere "Bündner Nusstorten", die er am liebsten ganz allein verspeist.